Erfahrungsbericht: Bremsscheibenschraube ausbohren.
Diesmal hat es mich auch erwischt. Hintere Bremsscheibe war fällig. Habe alle Schrauben mit dem Gasbrenner kräftig erhitzt. Trotzdem: Bei der zweiten, eine halbe Umdrehung war sie schon lose, KNACK!
Was mich zur schamlosen Aussage bringt: Suzukis Bremsscheibenbefestigungsschrauben sind unterdimensioniert. Zumindest für den Ausbaufall. Eine Schraube, die bloss vom Widerstand von bereits gelöstem Sicherungskleber im langen Gewinde überfordert ist, ist mindestens eine Festigkeitsklasse zu niedrig gewählt.
Anyway: Zum Glück habe ich ein mechanische Werkstatt in der Nähe. Nicht Motorrad oder KFZ, genereller Maschinenbau. Ich mit dem Rad dahin. Nachdem ich dem Inhaber klar gemacht habe, dass ich das Risiko für die Aktion voll übernehme, gingen wir auf die Fräsmaschine mit dem Rad.
Aufgelegt auf drei Flachstahlstücke auf der grossen Stirnfläche der Nabe, mit grosser Scheibe durch die Lagerbohrung runtergespannt. Sitzt schön fest und unverrückbar.
Zentrierbohrer ins Bohrfutter, von Auge ausgerichtet. Der Typ ist gut. Ich behaupte jetzt einfach mal, er hat das Zentrum auf einen zehntel genau getroffen. Anzentriert.
Dann mit 5 mm durchgebohrt: Ziel: Schraube schwächen, dass sie gegen den Widerstand des Gewindes zusammenfällt.
Linksausdreher angesetzt. Guter Trick, den ich dabei gesehen habe: Zentrierspitze im Bohrfutter (die Bohspindel steht immer noch geau über der Bohrung) von hinten ins Windeisen gesetzt stellt sicher, dass der Linksausdreher genau gerade sitzt.
Angesetzt, vorsichtig gedreht es knackt dreimal leise (wohl die Schraube, die gesprengt wird) aber es bewegt sich nichts.
Merke: Nichts erzwingen wollen! Abgebrochener Linksausdreher kommt schlecht!
Also, wir gehen auf Tutti: Das Loch sitzt wirklich schön zentrisch, wir bohren aus mit dem Kerndurchmesser.
Danach lassen sich die alten Gewindegänge wie eine Feder oder ein Heli-Coil aus der Bohrung puhlen. Als wir allerdings sehr tief im Loch ankommen wird der Widerstand zu gross, die Wendel reisst ab. Was ich das nächste Mal machen würde: Kleinen Dorn in die Bohrung, auf den die Wendel aufgewickelt wird. So kriegt man sie Radial nach innen aus den Gewindegängen, ohne stark axial ziehen zu müssen.
Macht nichts, mindestens zehn Gewindegänge sind frei; genug, um den Gewindeschneider sauber anzusetzen und auch gegen den Widerstand von Stahl im Alu sauber zu führen. Also Gewindeschneider angesetzt, auch den wieder von hinten mit der Zentrierspitze gerichtet, und Gewinde nachgeschnitten.
PUH! Die Nabe hat wieder vier gängige Gewindebohrungen! Vier Inbusschrauben M8 x 30 Festigkeitsklasse 12.9 bekomme ich auch gleich mit.
Als ich ihn nach dem Preis frage, meint er 20 Fr. (ca. 12€) und ein Bier. Da ich in etwa weiss, wie so eine Maschinenstunde normalerweise verrechnet wird, gebe ich ihm einen fünfziger. Das hätte mich eine neue Felge off eBay allemal gekostet, bis sie bei mir gewesen wäre. Ganz zu schweigen von der GS-losen Zeit. (Dafür habe ich noch ein Bier bei ihm gut; auch schön.)
Und vor allem: EIN DICKES DANKESCHÖN.
Gepostet, um denen Mut zu machen, die vor einem ähnlichen Problem stehen. Es geht, richtiges Werkzeug und Vorgehen vorausgesetzt.
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