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Alt 11.06.2007, 22:47:05   #1
sven
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Registriert seit: 02.02.2006
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Standard Schaltdrehzahlen

Hallo!
Nachdem der Thread mit der Leistungs-/Drehmomentkurve ja eher die
theoretischen Aspekte behandelt, wollte ich hier nochmal auf die
ursprüngliche Fragestellung zurückkommen, die da hieß:
Bei welcher Drehzahl muß man schalten, um mit der GS optimal zu
beschleunigen?

Da die Beschleunigung wg. Newton direkt proportional zur am
Hinterradumfang wirkenden Kraft bzw. zum Drehmoment am
Hinterrad ist, kann man die Frage auch so stellen:
Wie schaltet man so, daß immer möglichst viel Drehmoment am Hinterrad
vorhanden ist?

So ganz pauschal und ohne die entsprechende Drehmoment- bzw.
Leistungskurve kann man das natürlich nicht beantworten, sondern
höchstens eine Art Strategie angeben:
Indem man dafür sorgt, daß der Motor mit möglichst hoher Leistung
betrieben wird.
Warum das so ist und nicht "mit möglichst hohem Drehmoment" heißen
muß, kann man wenn man möchte im anderen Thread nachlesen, hier
geht's jetzt nur mal um ein paar Zahlenbeispiele zur GS.

Als Drehmoment-/Leistungskurve nehm' ich die von acid gepostete aus
der "Motorrad", weil da beide Versionen (offen und gedrosselt) drauf sind,
die div. Übersetzungen hab' ich aus Tommys Beitrag (excel-file
"übersetzungsdiagramm"), als Sekundärübersetzung nehm' ich mal 2/5
(16:40), der Hinterradradius sei 0,32m.

Also aufgeht's: Ungedrosselt Losfahren im 1. Gang, wann schalten?

Bei 7500/min hat man gerade das max. Drehmoment von 39Nm, das
macht am Hinterrad ca. 650Nm. Wenn man jetzt in den 2. schaltet, sinkt
die Drehzahl auf ca. 5400/min. Dort liefert der Motor nur ca. 34Nm, durch
die längere Übersetzung gibt das am Hinterrad ca. 408Nm, also deutlich
weniger. War also zu früh geschaltet.
O.k., drehen wir bis 9000/min. Macht immer noch 35Nm an der
Kurbelwelle sprich gut 580Nm am Hinterrad. Jetzt in den 2.Gang senkt die
Drehzahl auf ca. 6500/min, also ca. 37Nm an der Kurbelwelle, macht ca.
440Nm am Hinterrad. Immer noch deutlich weniger als im 1., d.h. immer
noch zu früh geschaltet.
Analog: 10.000/min (ca. 32Nm) macht im 1. Gang 530Nm am Hinterrad,
entsprechend 7200Nm (39Nm) im 2. Gang 470Nm. Immer noch zu früh.
Drehen bis Ende Kurve: 28Nm@10700/min => 470Nm@Hinterrad,
Rauf in 2.Gang: 39Nm@7700/min => 470Nm@Hinterrad

Man muß also im Ersten bis über 10.000/min drehen, bevor man hochschaltet,
andernfalls verschenkt man Kraft am Hinterrad.

Jetzt mal eine Tabelle dazu, zeilenweise von links nach rechts stehen dort:
Gang, (Schalt-)Drehzahl, Motordrehmoment und Drehmoment am
Hinterrad dabei, -> Hochschalten: Gang, durch's Hochschalten
entsprechend tiefere Drehzahl, Motordrehmoment und Drehmoment am
Hinterrad dabei.
Die jeweils obere Zeile ist die mit der einigermaßen optimalen
Schaltdrehzahl, darunter hab' ich das mal für Schaltdrehzahl fix=9000/min
ausgerechnet. Man sieht, daß das in jedem Gang zu früh ist, durch's
Hochschalten sinkt jedesmal das am Hinterrad zur Verfügung stehende
Drehmoment.

1. 10500/min 29Nm@KW 480Nm@HR -> 2. 7600/min 39Nm@KW 470Nm@HR
(1. 9000/min 35Nm@KW 580Nm@HR -> 2. 6500/min 37Nm@KW 440Nm@HR)

2. 10200/min 30Nm@KW 360Nm@HR -> 3. 8000/min 38Nm@KW 355Nm@HR
(2. 9000/min 35Nm@KW 420Nm@HR -> 3. 7000/min 38Nm@KW 355Nm@HR)

3. 10000/min 30Nm@KW 280Nm@HR -> 4. 8200/min 37Nm@KW 280Nm@HR
(3. 9000/min 35Nm@KW 330Nm@HR -> 4. 7300/min 38Nm@KW 290Nm@HR)

4. 10000/min 30Nm@KW 230Nm@HR -> 5. 8600/min 36Nm@KW 230Nm@HR
(4. 9000/min 35Nm@KW 265Nm@HR -> 5. 7740/min 38Nm@KW 250Nm@HR)

5. 10000/min 30Nm@KW 195Nm@HR -> 6. 9000/min 35Nm@KW 200Nm@HR ...
(5. 9000/min 35Nm@KW 230Nm@HR -> 6. 8100/min 37Nm@KW 210Nm@HR ...)

Fragen dazu an mich vielleicht besser per PN.

Gruß
Sven
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