Einzelnen Beitrag anzeigen
Alt 08.06.2017, 09:57:14   #10
RomanL
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 07.06.2017
Ort: Dishley
Alter: 53
Beiträge: 155
Baujahr: 1997
Kilometer: 69666
Standard

Zitat:
Zitat von Chris_Telmeth Beitrag anzeigen
Lohnt sich das überhaupt, ich meine, bei dem was man reinsteckt und rausbekommt? Selbst für sone hergerichtetet GS bekommt man nicht mehr als 1000^^
Jepp, wenn man es richtig macht und nicht nur halbherzig - und nicht wüst Schnickschnack um- und anbaut, was eh keiner haben will...

Bsp.: Tenere 660 aus 93, gekauft für 300,- total verrottet und verkommen aber nahezu vollständig und mit laufendem Motor. Marktpreis für halbwegs intakte Exemplare 1500-1700,-, gut gepflegt und ausgestattet um 2200-3000,-.
Reingesteckt 1200,- für Teile, Lack, Verschleißmaterial und ein paar Stunden + Altteile aus Restbeständen. Die Maschine steht nachweislich technisch top da (alle Verschleißteile neu, alle Überholungen von Gabel bis Schwinge erledigt, Elektrik durchsaniert), und Zusatzbaugruppen wurden ergänzt, wo sie Sinn machen. Reparaturen wurden vernünftig ausgeführt UND dokumentiert.

Lohnen 400-700,- Wertsteigerung über den Materialeinsatz dann? Noch dazu liegt jetzt eine halbe Maschine on stock (für Verkauf oder Eigeninsatz) - ebenfalls bares Geld auf dem "Sparbuch", was nach aktueller Marktlage in Einzelteilen etwa +800,- ausmacht. Positiver Finanzeffekt also etwa 1500,- netto bei 1500,- Investition -> macht knappe 100% ohne Arbeitszeit.

Bei GS & Co ist es ähnlich -> halbwegs guter Lack + rissfreie/trockene Sitzbank, Kette und Reifen noch i.O., TÜV min. 1 Jahr, sauber - und schon sind 800-1000,- aufrufbar.
Unfaller mit kleinen Blessuren oder ein paar marginalen TÜV-Verhinderern kriegt man unter 300,- (aktuelles Beispiel: 470,- komplett für 1,5x GS500 + 1x CB500), und Teile gibt's für wirklich schmalen Kurs. Bleibt bei 3 Aufbauten ein Motor übrig oder 2 Felgen + CDI + 2 vergaser,...usw. usw., ist das schon Reingewinn und mehr als der Kaufpreis eines Schrottplatzexemplars... Rein steckt man in die GS jetzt etwa noch 300,- für Verschleiß- und Ersatzteile und eventuell noch mal 150,- für notwendige Lackarbeiten. Danach wäre der aktuelle Marktwert (TÜV-bereit) um die 850-900,-. Macht im ungünstigen knappe 500,- Ertrag und im günstigen (inkl. ET-Verkauf) um 800-900,-.

Die CB500 aus dem 470,-€-Paket braucht etwas mehr Ersatzteile, aber da steht der Kurs auch deutlich höher. Also auch dort garantiert ein Ertrag am Ende.

Zu Saisonbeginn kann man solche kleinen Motorräder noch mal im Wert pushen, weil zig Mädchen eine flache Maschine "mit nicht so viel PS" suchen. Da gehen ungepflegte Maschinen ohne frischen TÜV und mit Wartungsstau auch schon mal für'n Tausender weg - nur, weil sie z.B: in der Nähe stehen... Der Ruf des unkomplizierten, handlichen Allwetterfahrzeugs zieht gerade Anfänger an. Luftgekühlt, klein, solides Fahrverhalten mit ausgeprägtem Grenzbereich, moderate Leistung, einfache Elektrik,...was will man mehr als Einsteiger?
Und auch die Tatsache, daß man mit wenig Aufwand zwischen den verschiedenen Drosselungen hin und her umbauen kann, ist ein klarer (auch preislicher) Pluspunkt für die GS als Aufbauprojekt.

Ob sich das also "lohnt" (siehe Frage), hängt wesentlich davon ab, ob man es als Hobby betrachtet und die Zeit und den Werkzeuggrundbestand aus der Kalkulation weglassen kann. Reich wird man mit solchen Wiederaufbauten nicht, aber Geld zusetzen muß man auch nicht wirklich.
Und für Leute wie mich ist das "sich Lohnen" schon erreicht, wenn so ein fahrfähiges Schätzchen aus den 80ern oder 90ern nicht irgendwann -total gefleddert- in der Presse landet, sondern wieder auf der Straße ist.
Schwere Unfaller mit krummem Kopf und gerissenem Rahmen sind ein anderes Thema, und auch Exoten und bekannte Problembären sind ein riskantes Spiel. Aber nur alt und rottig ist kein Grund, sie wegzuwerfen. Dafür ist die GS z.B. viel zu handlich und unaufwändig (auch in Budgetfragen) zu erhalten.

Wichtig ist, daß die technische Basis stimmt und nicht zu viele (vor allem verchromte oder pulverbeschichtete) Teile vom Rost zernagt oder durch billigen Fremdanbieterkram ersetzt sind. Optik und nahezu Originalzustand macht bei so alten Bikes halt bis zu 75% des Kaufpreises aus.
Selbst fehlende Papiere sind eher eine kosmetische Sache als ein echter Kosten- oder Ärgerfaktor. Dafür kriegt man solche Exemplare natürlich weit unter Ersatzteilsumme eingekauft...

Ich mach das so jetzt schon seit über 30 Jahren und hab noch nie festgestellt, daß man am Ende finanziell zusetzt (mal abgesehen von Mittelklassewagen aus den frühen 2000ern mit kleinen Motoren und Holzklasseausstattung, die dann tatsächlich mehr kosten als bringen). Bei halbwegs vollständigen Bikes ab 500ccm etwa lohnt der Aufwand nahezu immer.
Ist der Bock zu sehr runter, baut man halt custom made um, dann stimmt der Preis garantiert - allerdings bei deutlich höherem Zeitaufwand (und inkl. dem nötigen Können)

Gruß
Roman


EOT
RomanL ist offline   Mit Zitat antworten