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Alt 16.08.2005, 00:18:30   #42
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Hallo an alle erst einmal, denn ich bin hier im GS500-Forum neu, auch in diesem Thread. Besonderen Gruß aber an mellania, denn Dein Beitrag spricht mir aus dem Herzen. Danke!

Mein Nickname ist Programm, denn in der Tat habe ich seit 20 Jahren auf keinem Motorrad gesessen. Wohl fahre ich aber auch "Blechdosen" in der Größenordnung, wie hier oft im Negativen zitiert. Ich möchte als Autofahrer hier anmerken, dass ich die defensive Fahrweise von mellania voll befürworte und für mein Teil auch umsetze, ist als Vielfahrer beruflich sehr notwendig. Es verhält sich mit den überheblichen Fahrern großvolumiger Autos genauso wie mit den Pedanten auf dem Motorrad. Rücksichtslose Autofahrer sind genauso oft anzutreffen wie Biker in der selben Manier. Nur, dass Letztere ihr Leben in noch größerem Maße auf`s Spiel setzen. 20 Jahre aus der Sicht des "Blechdosenfahrers" sollten ausreichen, dabei gibt es keinen "Hass" auf Biker - eher war ich immer etwas neidisch auf die Freiheit des Fahrens, welche ich mir nun auch wieder gönne. Aus der Sicht der "Blechdose": Wie oft quetschten sich Motorradfahrer mit schweren Geschossen in Sicherheitsabstände und sorgten, vor allem auf der Autobahn, für drastische Bremsmanöver von Seiten des Autofahrers, der dabei angstvolle Blick galt/gilt dem Rückspiegel, noch ängstlicher ab ca. 150 km/h, denn die Verkehrsrücksicht auf deutschen Straßen wird oft der "Sportlichkeit" und den Dimensionen des Antriebs geopfert: Nicht nur bei Bikes. In den farbigen Prospekten der Motorradanbieter sollte auf jedem Bild auch immer das Kleingedruckte gelesen werden: "Professionelle Fahrer auf abgesperrter Strecke". Wenn dieser denn vorhanden ist. Das betrifft die ER-5 und alle Modelle in dem Katalog, bei Suzuki finde ich es gut, dass von der Abbildung überaus sportlicher Manöver abgesehen und das Bike als Solches dargestellt wird.

Rasen und Drängeln auf deutschen Straßen ist Programm. Und nicht nur in der ADAC-Zeitung kann man darüber lesen, die regionalen Tageszeitungen bringen immer wieder ein Unfall-Schlaglicht, wo man als "Kenner der Landschaft" sagen muss: DER/DIE hat nur 5 km davon gewohnt und ist die Strecke fast jeden Tag gefahren? Von allen mir bekannten EUROPA-Ländern kenne ich nur noch die Tschechen mit ihren alten Skodis als noch rücksichtsloser. Dort ist, meiner Meinung nach, Autofahren (und Bike erst recht) noch riskanter. So viele gefährliche und unverschuldete Situationen wie dort hab ich noch nie erlebt: Aber das Riesengebirge ist ein wunderbares Wandergebiet.

Nun bin ich wieder seit 14 Tagen Motorradfahrer auf der GS-500. In der ersten Woche bin ich täglich ca. 1,5 Stunden, zum Training, mit 70 - 80 km/h über die Landstraßen getuffelt, bei 3000 - 5000 Umdrehungen das Maschinchen probiert und gelernt. Bikefahren ist eigentlich wie Fahrrad, einmal gelernt kommt`s schnell wieder. Innerhalb Ortschaften max. 60 km/h, und das bleibt so, wie beim Autofahren.

Nun hab ich heute Abend die erste Ausfahrt mit höherer Geschwindigkeit gemacht. Durchschnittlich 100 km/h auf der Landstraße. Auf langen, bekannten, Geraden mit Weitblick auf 1,5 km und ohne Gegenverkehr "bummelnde" 90-Fahrer überholt mit einer max. Beschleunigung bis zu kurzzeitig 140 km/h. Und habe dabei eine sehr unangenehme Erfahrung gemacht. Die Bummler waren keine großvolumigen Autos, sondern relativ alte Schütteln mit sehr sehr jugendlichen Fahreren. Nach dem ich ca. 500 Meter aufholte traten die auf`s Pedal (sicher durchgetreten) und klebten mir dann mit einem beängstigenden "Sicherheitsabstand" von ca. 10 Metern (bei 120 km/h auf schnurgerader Strecke) am Heck. Einer hat mich sogar dann noch in einer völlig unübersichtlichen Kurve vor der Ortseinfahrt Meißen (fast 90°-Kurve) mit 70 Sachen überholt (max. 50 sinnvoll und, selbst von Autofahrerseite aus (fast jeden Tag mit Auto gefahren), sehr sinnfällig) und, Gott sei Dank, gab es keinen Gegenverkehr und ich konnte in der Kurve noch ein bissel "nach draußen rutschen" (der fuhr mir auf ca. 5m Entfernung von Dresden nach Meißen, ca. 15 km, auf der B6 hinterher, sehr unangenehm).

Im Gegenzug sind, während meiner kurzen Bikerzeit, alle großvolumigen Autos im Sinne meines Erfahrungswertes und eigenen Umganges damit eher defensiv erschienen. Als Unbeteiligter habe ich wohl in den letzten 14 Tagen einmal erlebt, dass ein BMW-PKW-Fahrer den Anstand verlor. Aber der überaus rücksichtslos überholende KAWA-Pilot war auch jenseits von gut und böse und hatte dem PKW kilometerweit schon ein Loch in die Heckstoßstange mit dem Vorderreifen gefräßt, bei erlaubten 80 km/h gefahrene 100 km/h. Unverständlich.

Autobahnerfahrungen habe ich keine. Aber ich kann mir gut vorstellen, dass die Eindrücke da ähnlich gelagert sind. Nur mit noch gravierenderen Folgen.

Fazit: Die GS wird von mir als schneller "Cruiser" verwendet und als Alltags-Bike. Defensive Fahrweise bringt Sicherheit, wie mit einem Auto. Biker- oder Autohass gibt es meiner Meinung nach nicht. Nur das "Geschwindigkeits- und Größenwahnsinnsyndrom". In meinen 25 Jahren Fahrpraxis habe ich nur sehr verschwindend wenige Frauen erlebt, egal ob auf dem Bike oder im Auto (egal welcher Größenklasse), welche wie die Selbstmörder persönlich fuhren.

Manche Leute hier im Forum scheinen die GS als "Schwanzverlängerung" zu sehen, aber ohne Leben ist das Ding halt auch nix mehr wert. Selbst wenn die Maschine "nur" 150 Sachen machen sollte: Unbedacht ist das schon bei 50 und entsprechender Situation eine Freifahrkarte ins Jenseits.

Also, bitte: Vorrausschauend fahren! Die GS soll doch Spaß machen.
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