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Alt 05.10.2007, 00:20:19   #54
gplchris
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@Verbali auskuppeln schont den Motor gegen Ende der Bremsung, weil man ihn - so man überbremst - abwürgt. Die Fahrschulmotorräder wollen auch halten. Einen Highsider habe ich zu einem Viertel hinbekommen als die Strecke abtrocknete und nur noch einige kleine Pfützen standen. Angepeilte Linie leicht verfehlt, mit den Hinterrad durch die Pfütze und dann bin ich erstmal ein bisschen "leicht" geworden.

@ Jenso
ich glaube wir reden aneinander vorbei. Klar gilt es die physischen und psychischen Grenzen auszunutzen. Bis das soweit ist oder man die Grenze vor dem Optimum erreicht hat, ist eine gute Bremsung unter Berücksichtigung der Fähigkeiten besser als eine versaute optimal-gewollt-aber-schlecht gekonnt-Bremsung. Ich sehe da keinen Widerspruch.

Deine "Hinten-Blockier-bremsung" ist nichts anderes. Diese eigentlich schlechtere Variante wird der besseren Variante wegen 99% der Fahrer vorgezogen. Der nächste Schritt ist es hinten nicht zu blockieren sondern pauschal leicht zu bremsen. Mittlerweile wollen das die Prüfer auch so. Eben wegen der angesprochenen Reaktion aus Versehen gleich vorne mitzulösen. Es ist aus meiner Sicht ungesund gegen natürlich Reflexe zu trainieren. Dann doch lieber versuchen hinten dosiert zu bremsen.
Solange man an diesem Reflex leidet oder hinten nicht dosiert bremsen kann, ist es besser, nur vorne zu bremsen. Diesen falschen Lösereflex trainieren Sicherheitstrainings nicht ab - jedenfalls nicht gezielt. Dieser Fehler wird bei einer vorbereiteten Bremsung auch nicht so oft auftreten.
Auf "Bremspunkt" im Sicherheitstraining oder auf der Rennstrecke mag es sogar gehen hinten und vorne dosiert zu bremsen, im Ernstfall unter Schreck habe ich es selbst gemacht und so gesehen, dass die Bremsung nur noch aus "hinten-blockiert" und vorne "wenig-gebremst" besteht. Da zeigt sich eben, dass der Ernstfall nicht mit einer lockeren Testbremsung zu vergleichen ist.
Ernstfälle werden im Sicherheitstraining nicht geübt - aber der Testfall bis zur Perfektion; das ist der Selbstbetrug. Wenn ich böse wäre, würde ich sagen, im Sicherheitstraining lernt man nur im Sicherheitstraining sicherer zu fahren. Mit der gleichen Geschwindigkeit , auf dem gleichen Fahrbahnbelag zu bremsen ist ein Witz. Irgendwann hat dann jeder das Limit gefunden, obwohl er gar nichts richtig macht. Der Witz ist es doch, unter Zeitdruck beim 1. Mal gut zu bremsen ohne zu wissen, was der Untergrund jetzt wirklich ganz genau hergibt.

Ein Sicherheitstraining besucht man bestenfalls alle 3 Monate. Das kann beim besten Willen nicht klappen. Ein Training, das automatisieren soll, muss schon zweimal die Woche sein. Oder man gibt ihnen eine Anleitung zur Selbsthilfe. Aber meist werden die Manöver selbst geübt. Das ist verschenkte Zeit. Wenn die Teilnehmer dann noch glauben, das "Sicherheitstrainings" ausreichen, schadet das letztlich mehr als das es nützt. Wenn die Teilnehmer sich freuen an Tag 1 endlich aus 50 km/h abbremsen zu können, sollen sie sich mal fragen wie eine derartiger Verfall der Fähigkeiten überhaupt möglich sein konnte. Anstatt "wow, ich habe heute ein tolles gefühl für mein motorrad bekommen" müsste man sich andere fragen stellen. Was trainiert werden müsste ist noch die Selbsteinschätzung. Wie bekomme ich eine kritische Haltung zu meinem Fahrkönnen? Oder wie merkt man den schleichenden Abbau der Fähigkeiten? Kann ich bei meiner jetzigen Geschwindigkeit innerhalb der Sichtweite anhlten? Hat man ein gefühl für eigen Fahrfehler oder "umfährt" und ignoriert man sie? Oder bringt ein Sicherheitstraining überhaupt etwas für Gefahrwahrnehmung und Verkehrsintelligenz? War das Kind am Straßenrand eben auch schon da?

Ich kenne jetzt nicht jedes Training. Aber du müsstest schon eine Menge anders machen. Die meiste Zeit wird mit Fahrübungen verplempert, die schon zu den Grundaufgaben der Fahrschule gehörten, die Trainingsdichte ist gering, der Seminarcharakter hoch. Wirklich haarige Manöver mit Sturzgefahr werden nicht gemacht. Die Unfallursache "Verkehr" spielt auch keine Rolle. Dann kommen einige Teilnehmer noch völlig unvorbereitet hin, damit die Erleuchtung groß ist. Was ich bei einem Sicherheitstraining an Unvermögen gesehen habe, hat mir die schuhe ausgezogen, obwohl ich jetzt selbst kein talent bin, viele waren auch besser. Ein ambitioniertes Training ist schon deshalb nicht möglich. Der Leiter kann ja auch nicht zaubern. Schon klar. Ich glaube nur, wer einen Instruktor braucht um schon bekanntes mal wirklich auszuprobieren und wieder auf fahrschulniveau zu kommen sollte sein moped besser in die ecke stellen.
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