Einzelnen Beitrag anzeigen
Alt 09.04.2009, 23:16:55   #81
Mable
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 08.04.2009
Ort: Karlsuruhe
Alter: 41
Beiträge: 105
Baujahr: 1989
Kilometer: 41000
Standard Re: Welche Bekleidungsteile sind schutztechnisch am wichtigsten?

Ich wundere mich doch manchmal was Motorradfahrer zum Thema Schutzbekleidung zu sagen haben....

1. Leder ist sicherer als Textil (?)

Ähhh nicht ganz. Leder ist abriebfester als Textil. Aber wenn ich mit Leder ein einen Regenschauer komme und dann vor (kälte-)zittern kaum den Lenker halten kann, kann von Sicherheit keine Rede sein. Genauso, wenn ich im Hochsommer fast einen Hitzschlag bekomme.

2. Schutzausrüstung in der Fahrschule

Also ich habe bis auf die Schuhe, meine Ausrüstung gestellt bekommen. Helm, Jacke, Hose, Nierengurt, Handschuhe. Hat wunderbar funktioniert. Klar, wenn mann zusätzlich zu den 1200€ Fahrschule noch 500 - 600€ für die Ausrüstung hat ist das besser. Ich hatte das Geld nicht.

3. wichtigste Schutzkleidung

1. Helm
2. Handschuhe
3. Jacke (incl. Protektoren)
4. Schuhe (Knöchelhoch)
5. Nierengurt
6. der Rest

Warum genau diese Reihenfolge? Helm ist eh pflicht, also führt kein Weg daran vorbei. Nach den Kopf ist aber das am meisten betroffene Körperteil die Hände beim Sturz/Unfall. Und was man da zu sehen bekommt ist unschön. Von wegen Schürfwunden verheilen wieder....
Jacke ist denke ich klar, Schuhe sind im Prinzip vor allem Wichtig um bei einem Umfaller, bzw. wenn man unter die Maschine kommt, die Knöchel zu schützen. Der Nierengurt wird oft unterschätzt, aber die Niere entzündet sich NICHT (nur) durch Kälte, sondern vor allem durch Vibrationen. Hose und ein Level2 Rückenprotektor komplettieren das Ganze.

Dazu muss man auch ganz krass sagen, dass die Schutzkleidung vor allem bei "leichteren" Unfällen schützt. Also vor allem Schlittern über Asphalt etc. Bei einem echten Unfall (Auffahrunfall auf der Landstrasse, "umgemäht" werden auf der Autobahn...) hat man auch mit Schutzkleidung selten eine Chance. Ein Helm erhöht zudem signifikant die Chance auf einen "Genickbruch", da mehr Masse auf die Halswirbel einwirken (aber das muss man in Kauf nehmen, weil ohne ists noch beschi*ener).
Schuhe würde ich nur Motorradstiefel, oder Knöchelhohe Wanderschuhe nehmen. Alles mit Stahlkappen ist zumindest mir zu ungenau beim Schalten. Ich brauch da die direkte Rückmeldung von der Maschine

Bei Helmen ist es auch so eine Sache mit dem Preis. Ein teurer Helm ist nicht unbedingt besser im Sinne von Sicherer. Mein Helm hat mich 100€ gekostet, passt mir wie angegossen und schützt mich genau so gut wie ein 580€ Schuberth Helm. Allerdings sollte man auch von 50€ "Rollerhelmen" Abstand nehmen. Da kommt oft Wasser durch oä.

Ich hatte übrigens noch keinen tödlich verunglückten Moppedfahrer, der mit besserer Schutzkleidung überlebt hätte. Dafür aber durchaus einen Kerl mit Freundin, die in Badeklamotten (Shorts, Bikini) bei Tempo 40 mit einer 125er auf Schotter gestürzt sind. Da ist man ne weile beschäftigt mit Steinchen puhlen (mal davon abgesehen, dass sie nur noch Körbchengröße A hatte, wenn überhaupt...)

Man minimiert das Risiko durch sicheres beherrschen der Maschine und angepasste Fahrweise (damit meine ich nicht rasen, aber auch nicht schleichen...).

Lange rede kurzer sinn: Erinnert euch an aktiven vs. passiven Schutz und fahrt angemessen.

/edit:
Den hier verlinkten Artikel find ich klasse.

Gruß Mable aka Christian
Mable ist offline   Mit Zitat antworten