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Alt 28.06.2017, 11:46:16   #9
RomanL
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Ja, alles schon ausprobiert, und nein, Anwendungsfehler treten 1x auf aber nicht 5x von 5 Versuchen an verschiedensten Fahrzeugen und in verschiedensten Umgebungen. Der Hauptfehler bei solchen Dichtungsaktionen ist nahezu immer eine mangelnde Ölfreiheit und eine unsaubere oder klebeungeeignete Dichtfläche - sowie fast immer zu früher Anzug bzw. zu frühe Ölbeaufschlagung. Und manchmal ist es eben auch eine Dichtmasse, die nicht ordentlich haftet oder ölstabil ist...

Da ich in der Meerestechnik "aufgewachsen" bin, kenne ich das Thema "wann dichtet eine Dichtung auch wirklich" leider nur zu gut. Ich sag nur gefettete O-Ringe unter Druck...

Bei Papierdichtungen ist ein schwitzen der Dichtung normal und unvermeidbar. Man nutzt das Durchtränken des Papiers bewußt als Quellmöglichkeit, so daß kleinste Deformationen nicht sofort zu richtigen Undichtigkeiten führen. Der Kapillarwiederstand erlaubt zwar ein Austreten von Schwitzöl, aber er behindert ein dauerhaftes Fließen. Die Dichtung setzt sich sogar dank der partikel im Ölaustritt sukzessive immer mehr zu.
Anders eine Klebedichtung. Geht die auf, dann leckt sie gleich richtig, keine Reserven, keine "Selbstreparatur".
Zudem bleibt eine Papierdichtung immer leicht lösbar - bei Dichtungswechsel nicht ganz unwichtig. Verklebte Dichtflächen führen nicht so selten zu Brüchen oder Abrutschschrammen beim Trennen. Ich rede da schon gar nicht von gnadenlos verbogenen Ventildeckeldichtungen dank gut haftendem PU etc.

Klebt man die Papierdichtung nun zusätzlich mit Silikonen oder PU ein, dann bildet sich eine Trennschicht zwischen Papier und Dichtfläche - und zwar gleich 2 davon. Die Trennschicht wird von der Papierseite aus kapillar mit Öl benetzt und löst sich sukzessive ab. Prinzipiell hält das, aber es hat keine wirklichen Vorteile einer reinen, gut sitzenden Papierdichtung gegenüber. Man kombiniert da eher die Nachteile - Kapillarität der einen und Klebkraft (z.B. ungewollt beim Trennen) der Anderen.

Wie gesagt, ich repariere und restauriere seit den frühen 90ern alte Fahrzeuge aus den 80er und jetzt oft 90er Jahren. Es ist schon interessant, die Dinger dann ein paar Jahre später wiederzusehen und oftmals an den selben Stellen noch mal ran zu müssen. Da trennt sich dann Spreu von Weizen - gerade, was die Eignung von Dichtmassen und das Ersetzen von Dichtungen durch Klebungen angeht.

Klar, Loctite macht wirklich sehr gute Dichtmassen, aber für den Preis einer Tube davon kaufe ich 3 von den besagten Fabrikaten - bei gleicher Wirkung und Funktionalität. Deshalb hab ich das nicht erwähnt.

Gruß
Roman


PS: Ich bin nicht per se ein Gegner von Verklebungen und auch nicht von Kombinationen an der passenden Stelle, aber hier bei mir stehen einfach schon zu viele Blöcke mit Kolbenklemmerspuren, die an Öldruckmangel dank zugesetztem Ansaugsieb verendet sind. Fast immer war der verursacher exzessiver Dichtmassenüberschuß... Das macht manchmal sehr nachdenklich, ob jede Bastellösung auch eine gute auf Dauer ist.
Und DAS passiert mit ner soliden Papierdichtung definitiv nicht.
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