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Alt 04.10.2017, 20:16:08   #45
krok
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Angekommen in der Werkstatt, macht alles einen eher traurigen Eindruck, Werkstatt und Schrottplatz in der tschechischen Wallachei. Krieg Kaffee, mir wird wieder halbwegs warm, kann mir trockene Sachen anziehen, trotzdem ist mir die ganze Zeit mulmig zumute. Komme ich heute noch nach Hause? Finden die noch ein Ersatzteil? Bekomme leider nur peripher was mit, da ich kein tschechisch spreche. Nach 1einhalb Stunden dann leider die Meldung vom freundlichen, deutschsprechenden Kollegen:"Einen neuen Fußhebel für die GS gibts in der ganzen Gegend nicht". Kollege bietet mir an eines ihrer Autos zu nehmen um nach Berlin zu fahren und dann mit einem Ersatzteil wieder zurückzukommen. Ich denke mir dabei:"Wär ich mal lieber mit der GS im 5.Gang in die Innenstadt gefahren und hätte dort ne Werkstatt gesucht." Schlage das freundliche Angebot mit dem Wagen aus und entschließe mich dazu, im 5. Gang zu versuchen nach zumindest Dresden zu kommen. Als ich ihm das mitteile quatscht er kurz mit seinen Kollegen, die fischen aus irgendeiner Ersatzteilkiste dann einen doppelten Fußhebel von einem anderen mir unbekannten Motorrad. Flexen die eine Seite kurz ab, suchen nach ein paar passenden Schrauben und schrauben mir das Ding dann an. Siehe da, es hält. Knöpfen mir dafür aber 40€ ab. Ich hab keine Lust mich zu beschweren, fahr mit einem von denen dann 10km in den nächsten Ort zu einem Geldautomat, weil ich kein Bargeld dabei habe.
Zurückgekommen dann nochmal bedankt, freundlich gewunken und los zurück nach Prag und dann Berlin. Mittlerweile ist es 16 Uhr. Routenplaner sagt mir, dass ich 5h nach Berlin brauche. Aus der geplanten Ankunftszeit von 17 Uhr ist nun mindestens 22 Uhr inkl. Pausen für Tanken geworden. Leider sind meine Handschuhe (auch die Ersatzhandschuhe) nass, meine Sturmhaube und Hose auch. Brauche wieder 45min nach Prag, wobei ich den improvisierten Fußhebel behandle wie die Jungfrau Maria, hab panische Angst dass er wieder abbrechen könnte. In Prag nochmal 1h im Stau in der Innenstadt und Stadtautobahn. Wenigstens wärmt mich die mittlerweile etwas rausgekommene Sonne noch etwas auf.
Nachdem ich die Stadt endlich hinter mir gelassen habe und auf dem Weg nach Dresden bin, zeigt sich mir das Land noch einmal von der schönsten Seite, die Landschaft angestrahlt von einer klaren Abendsonne, lange Schatten akzentuieren jeden Baum, jedes Haus. Nun ist es aber auch bald 19 Uhr und die Sonne geht stetig weiter unter. Es wird kalt und meine Sachen sind immer noch nicht ganz trocken. Ich trete immer noch nur sehr vorsichtig auf den Fußhebel um den Gang zu wechseln. Mein Vertrauen in meine Maschine ist akut auch ein bisschen erschüttert. Wenn die eigene Maschine anfängt in Teilen auseinanderzufallen, macht man sich ganz schnell Hirngespinste, was als nächstes dran sein könnte...
Kurz vor der deutschen Grenze suche ich vergebens nach einer Tankstelle, um zu tanken und mich aufzuwärmen. Mir ist mittlerweile so kalt, dass es mich am ganzen Körper unwillkürlich schüttelt. Es fällt mir schwer zu fokussieren und meine Finger werden immer tauber. Die nächste auf google maps angezeigte Tankstelle ist nur noch 1km entfernt. Komme an und die Tankstelle ist aus irgendeinem Grund geschlossen, keine Ahnung warum, Zufahrt abgesperrt. Fahre schon auf Reserve, Dresden ist noch ca. 40km entfernt und mein Körper braucht dringend Wärme. Ich halts nicht mehr aus und fahr eine Abfahrt rauf und stell mich auf den Standstreifen, hol aus dem Gepäck was noch an warmen, trockenen Klamotten da ist und schmeiß mir alles über. Mache 10min Liegestütze und renne in voller Montur mit Helm auf hin und her. Scheißegal was die Leute denken.
Mir ist nun mittlerweile wieder etwas wärmer und ich fahre wieder los, schaffe den Weg nach Dresden ohne Weiteres und finde dort endlich auch eine Tankstelle, die nicht wegen Feiertag zu ist. Hier kann ich auch endlich wieder etwas warmes trinken. Sachen scheinen durch Fahrtwind mittlerweile auch wieder komplett trocken zu sein, die letzten 200km bis Berlin sind zwar auch kein Zuckerschlecken, es geht aber und mit konstantem Fußwippen und Walken der Zehen und Finger halte ich es noch durch. In Berlin dann vollkommen zerstört, durchgefroren, kaputt, Gelenk- und Gliederschmerzen, aber noch nie so froh gewesen, den Flughafen Schönefeld neben der Autobahn vorbeiziehen zu sehen. Freundin hat schon eine Suppe gekocht, es ist 22:45 Uhr aber ich bin glücklich und habs geschafft.

Dass ich es nicht gemerkt habe, dass der Fußhebel locker war,erscheint mir komisch. Kumpel von mir hatte mir aber immer wieder geraten, periodisch alle Anbauteile am Rahmen mal wieder anzuziehen, habe ich leider versäumt und gestern den Preis dafür gezahlt.
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