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Alt 12.04.2021, 22:41:57   #13
Rapido
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Zitat von Halbroyal Beitrag anzeigen
Gerade weil das hier ja so ein vernünftiges Forum ist habe ich gehofft Antworten auf technisch/sachlicher Ebene zu erhalten, inwiefern und warum
solche Manöver welche Bauteile zusätzlich belasten oder gar beschädigen können. Einfach, weil es mich interessiert.
Warum postest du dann in einem vernünftigen Forum - wo sich vermutlich niemand ernsthaft damit beschäftigt, wie man mit <= 46 PS solche Manöver hinbekommt.
Für technische Antworten wäre die Frage eher in einem wissenschaftlich / universitären Umfeld zu plazieren.

Ich versuche trotzdem mal ein paar theoretische Betrachtungen beizusteuern.
Zunächst der Stoppie:
Eigentlich harmlos, aber bei der nicht allzu guten GS Bremse schwierig und die einseitige Bremse bringt etwas Verwindung in die Gabel. Aber ich denke das ist innerhalb der Lastannahmen, die man bei der Fahrzeugentwicklung berücksichtigen muss. Man merkt bei der Übung auch gut, ob das Lenkkopflager Spiel hat...

Allerdings schöne Fahrten über zig Meter mit dem Hinterrad in der Luft wird man mit der Serienanlage kaum hinbekommen. Da würde man sich vermutlich etwas besser dosierbares anbauen müssen. Auch die chronisch unterdämpfte Gabel, die bei dem Versuch auf Block geht mach es nicht leicht hier gefühlvoll zu agieren.

Dann zum Wheely:
Der Motor stellt bei jeder Drehzahl ein Drehmoment an der Kurbelwelle bereit (Drehmoment x Drehzahl = Leistung). Bei einer GS mit wenig Leistung also eher überschaubar.
Über das Getriebe (Momentenwandler) wird die Drehzahl reduziert und das Moment im gleichen Verhältnis erhöht, wodurch am Getriebeausgang ein höheres Moment ansteht als an der Kurbelwelle.
Ausgangsmoment / Ritzelradius = Zugkraft in der Kette.
Zugkraft x Radius des Kettenrades = Drehmoment am Hinterrad (Also noch mal deutlich mehr als am Getriebeausgang)
Solange am Hinterrad genug Grip aufgebaut werden kann, um Haftreibung zu gewährleisten ergibt Drehmoment am Hinterrad / Radradius eine nach vorne gerichtete Kraft, die - solange das Vorderrad nicht steigt - das Motorrad samt Fahrer beschleunigt (nach Newton: F=m*a).
Die Massenträgheit steht dem Vorwärtsdrang entgegen und wenn am Hinterrad mehr Drehmoment ansteht, als benötigt wird, um das Fahrzeug steigen zu lassen, dann gibt es einen Wheely. Dazu muss das Hinterradmoment größer sein als das Moment aus Abstand Massenschwerpunkt - Hinterrad x Fahrzeugmasse.
Aus dem Motor bekommt man das nicht raus, d.h. durch Gasaufreißen steigt eine GS definitiv nicht. Also muss man die notwendige Energie anderweitig organisieren.
Das geht über Bewegungsenergie: Motor nähe Maximaldrehzahl bringen, Kupplung schnell kommen lassen (und vielleicht auch noch aktiv durch Gewichtsverlagerung unterstützen).
Die Rototionsenergie der drehenden Teile steht zusätzlich zu der aus dem Arbeitsprozess kommenden Leistung zur Verfügung. Damit kann kurzzeitig genug Drehmoment ans Hinterrad geliefert werden, damit die Kiste hochkommt.
Sobald das Moped oben ist, ändern sich der Hebelarm des Massenschwerpunktes und man kann die Möhre theoretisch oben halten. (Nur kann man das mit einer GS nicht üben, weil man am Anfang das Gas nicht ausreichend feinfühlig dosieren kann und wenn die erst mal wieder runter will, ist nicht genug Leistung da um sie wieder hoch zu holen)
Logisch, dass dieses "Drehmoment über Kupplung generieren" nicht materialschonend ist. Ca. 50% der übertragenen Energie gehen verloren und werden an der Kupplung in Wärme umgewandelt (Impulssatz).
So viel zum Wheely, der sich innerhalb des Haftgrenze des Reifens abspielt.

Beim Donut muss der Hinterreifen durchdrehen, also die Reifenhaftgrenze überschritten werden. Das wird etwas erleichtert, durch das Abwinkeln der Maschine - die Kiste soll ja rum gehen und da wird etwas Gewicht vom Fahrer abgestützt. Zum anderen wird über das Bremsen des Vorderrades eine dynamische Achslastverlagerung herbeigeführt, die die Auflast am Hinterrad verringert.
Trotzdem muss man erst mal die Haftreibung überwinden - also wieder volle Lotte und dann Kupplung schnalzen lassen. Ob die Motorleistung dann ausreicht, das Rad weiter durchdrehen zu lassen bezweifle ich. Auch wenn die Gleitreibung immer viel niedriger ist als die Haftreibung wird das wohl nur gelingen, wenn die Straße glatt oder nass ist.
Wenn man es schafft, haben wir wieder einen Betriebszustand, der in der Betriebsfestigkeitsberechnung der Komponenten nicht vorkommt.
Volle Beschleunigungleistung wird nur wenige Sekunden abverlangt. Sobald man in höhere Gänge schaltet sinkt die Zugkraft, die über die Kette geht, weil das Übersetzungsverhältnis nicht mehr so extrem ist. Hohe Dauerleistung kommt normalerweise nur in den hohen Gängen vor.
Thermisch steht die GS eh nicht besonders gut da. Wenn man jetzt noch Höchstleistung abruft und gleichzeitig kaum Kühlung hat (Luftgekühlt ohne Anströmung) ist auch das nicht gesund.
Beim Burnout ist die Belastung noch mal etwas höher, weil die Kiste senkrecht steht also mehr Last auf dem Hinterrad ist.
Btw.: Ich habe mal gesehen, wie bei einer XJ500 die Kette bei so Spielchen gerissen ist. Als das durchdrehenden Hinterrad wieder griff und eigentlich eine enorme Beschleunigung einsetzen sollte, ist die Kette gerissen und hat Teile des Motorgehäuses zerschlagen. Dem Fahrer ist zum Glück nichts passiert.
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