Re: Motorradkonstrukt
Tatsächlich hat die Bauform der Endtöpfe (fast) nichts mit der Einhaltung von Abgasvorschriften zu tun, da braucht man einen möglichst großen Sammler und viel Platz für die Kats. Für die Lärmvorschriften dagegen ist das wohl doch von Nöten, sonst hätte Suzuki der neuen Flüstergeneration der GSX-R 600/750 die großen Tüten wohl erspart.
Die Anordnung der Krümmer vorn am Zylinder hat drei Gründe. Zum einen ist die thermische Belastung der Auslassventile und des Auslassbereiches doch sehr stark und kann auch nur schwer mit Wasser gekühlt werden (im Gegensatz zur Zylinderwand), die direkte Anströmung mit Luft hilft da ungemein. Zum anderen braucht man eine effektive Krümmerlänge zum Abstimmen der Gasströmungen. Mit vorn angeordneten Krümmern kann man die erreichen, ohne die Baulänge des Motorrads zu verändern. Drittens braucht man möglichst gerade Einlasskanäle, um die Zylinderbefüllung zu optimieren. Da fast alle Motoren nach vorn geneigt eingebaut sind, ist die Anordnung der Einlasskanäle hinter dem Motor nur logisch und technisch die sinnvollste Variante. Quer liegende V-Motoren kämpfen übrigens seit je her mit der Problematik, dass ein Zylinder und dessen Auslassbereich nicht direkt von Kühlluft angeströmt wird und deshalb eine andere thermische Belastung erfährt wie der vordere.
Bevor jetzt einer auf die Idee kommt, man könne den Motor ja auch umdrehen und das Getriebe vorn montieren um einige der oben genannten Sachen zu optimieren, wäre dazu noch gesagt, dass dann die Position der Kurbelwelle (= schwerstes Bauteil und dazu noch rotierend) sehr ungünstig wäre - was das Umlegen des Motorrades in Schräglage extrem erschweren würde (Stichwörter Schwerpunktlage und Massenträgheitsmoment).
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