Hallo Leute,
mir ist hier im Forum mehrfach aufgefallen, das sich einige Leute Gedanken machen, wie man mit der GS 500 die 200er Marke knacken kann. Ich habe vor ca 11 oder 12 Jahren auf dessen Wunsch einem Kumpel geholfen, seiner GS "Beine zu machen". Hintergrund der Aktion war ein Arbeitskollege meines Kumpels, der ihn in der Endgeschwindigkeit mit seiner GPZ 500 (60 PS) beim heizen immer abgehängt hat....
Also unser Ziel kannten wir, der Weg aber führte über einige "Stolpersteine":
-wenig Kohle
-wenig Zeit (bis zum nächsten Wochenende

)
-möglichst wenige (offensichtliche) Veränderungen wg Verkehrskontrollen
Da der Kumpel mittlerweile bei einem schweren Verkehrsunfall ums Leben gekommen ist, kann ich nur noch das wiedergeben, was ich aus meiner Erinnerung noch so parat habe, vielleicht ist aber für den einen oder anderen von euch noch eine Anregung dabei.
Also zur Sache, wir wussten das es nur die Bekannte Wege gab um die 200 zu knacken, also Gewicht, Leistung und Aerodynamik.
Folgende Arbeiten haben wir ausgeführt:
Gewicht
-Hauptständer ab
-Soziusfußrasten ab
-Benzinhahn raus (Schlauch direkt von RES an Vergaser)
-Werkzeug raus
-Kettenschutz und Kotflügel hinten gekürzt
-alles was gelocht werden konnte wurde gelocht:
Batteriekasten, Fußrastenträger vorn, Fersenschutz, Fußbremshebel, Schalthebel, Soziushaltegriff, das VA-Blech auf dem Schalldämpfer, der Tankhalter, die Sitzbankhaltestreben (auch die die an der Sitzbank verschraubt ist), Lampenhalter
-alle Schrauben die zu lang waren (z. Bsp. Befestigung der Seitenverkleidung) wurden auf passende Länge gekürzt
-Lenkergewichte abgedreht
Leistung
-Zylinderkopf runter, Ventile neu eingeschliffen, komplette neue Abdichtung, Ein- und Auslasskanäle von überstehenden Kanten befreit, Ventile eingestellt
-Sportluftfilter selbstgebaut (Grundplatte mit der Verschraubung blieb, sonst alles ab, auf ein dünnes Drahtgestell wurde als Filter ein leicht eingeölter Damenfeinstrumpf gespannt)
-Originalauspuff wurde geöffnet, ca eines Drittels seines Innenlebens beraubt, zugeschweißt, neu schwarz gelackt, (jetzt gelochte) Blende wieder aufgenietet
-Vergaser gründlichst gereinigt, Bedüsung mit Abgasmessgerät + Probefahrt an Ansaug- und Auspuffsituation angepasst, penibel synchronisiert
(leider, leider....zu der letztendlich verwendeten Bedüsung kann ich ausm Kopf nix mehr sagen...schade)
Aerodynamik
Dazu haben wir uns ein wenig belesen, war alles sehr kompliziert und mit einfachen Mitteln nicht machbar, deswegen haben wir uns darauf konzentriert, die Stirnfläche möglichst klein zu halten:
-Gabel ca 1,5 cm durchgeschoben (Federn etwas vorgespannt um Durschlagen zu vermeiden)
-Lenker ca 1-2 cm nach innen geschoben (oder gekürzt, könnte auch sein...)
-alte Tourenscheibe mit Stichsäge so gekürzt, das sie gerade noch so über Tacho/DZM reicht, bündig auf Scheinwerfer aufgesetzt
-Miniblinker (die gabs damals noch nicht überall, und wenn dann teuer, wir haben einfach ganz kleine von einem Roller genommen)
-Züge, Bremsschlauch und Kabel möglichst optimal verlegen (im Windschatten)
-Auspuff wurde mittels eines kleinen Distanzstückes etwas mehr in Richtung Schwinge "gezwungen"
-nur ein (sehr kleiner) Spiegel
-und....nicht lachen....der Vorschlag kam von einem Ex-Rennfahrer:
richtig sitzen üben! Also Hauptständer wieder provisorisch angebaut, der Kumpel rauf auf den Bock und ich hab von vorn geschaut wie er sich hinsetzen (legen...) kann, um die Stirnfläche möglichst klein zu halten.
Weitere Arbeiten:
-Kette optimal gespannt/gefettet
-Ölwechsel mit Filter auf ein Leichtlauföl
-Reifenluftdruck +0,2 Bar
Dann endlich Testfahrt, halbvoller Tank, optimales Wetter: (Original)Tacho so geschätzte 215 km/h !!! (Fahrer ca 1,63 m, rund 55 kg...)
Das war sicherlich nur möglich, weil die Summe der gemachten Arbeiten nun endlich einen einigermaßen passenden Kraftschluss vom 5. zum 6. Gang ermöglichte
Leider hatten wir damals nicht die schöne Möglichkeit, mit einem mobilen Navi einfach mal per GPS genauer nachzumessen, aber die verschiedensten "Begleitfahrzeuge" (Autos und Motorräder) zeigten alle zwischen 195 und 230 Km/h an, also realistisch betrachtet könnten es so knappe 200 gewesen sein....damit war er zwar nicht schneller als die GPZ, konnte aber wenigstens mithalten, im direkten Vergleich von 0 auf 100 hatte die Kawa aber keine Chance mehr...
Zugegeben, einige Maßnahmen klingen eventuell ein wenig übertrieben, aber ich bin der festen Überzeugung, das sowas immer nur die Summe vieler kleiner Veränderungen sein kann.
Und gleich für alle Erbsenzähler: Nein, ich kann das geschriebene nicht notariell belegen, sollte einfach nur Erfahrungsbericht und Anregung sein.